
Mit dem Baubeschluss zum Neubau des Anschlusses der Militärringstraße/Stolberger Straße sowie zur Umgestaltung weiterer Knotenpunkte in Müngersdorf wurde ein umfangreiches Infrastrukturprojekt auf den Weg gebracht. Die vollständigen Unterlagen sind im Ratsinformationssystem der Stadt Köln einsehbar: https://ratsinformation.stadt-koeln.de/vo0050.asp?__kvonr=129717
In der Sitzung der Bezirksvertretung Lindenthal am 04.05.2026 haben wir uns als Fraktion konstruktiv in die Beratungen eingebracht und die eingebrachten Änderungsanträge weitestgehend mitgetragen. Dennoch haben wir dem Gesamtbeschluss nicht voll zugestimmt. Friedrich Jeschke (Volt) hat ihn abgelehnt, während Prof. Klaus Reinartz (FDP) “mit Bauchschmerzen” zugestimmt hat.
Warum wir den Baubeschluss kritisch sehen
Die vorliegende Planung basiert auf Annahmen und Rahmenbedingungen, die heute so nicht mehr bestehen. Planungsprozesse dieser Größenordnung dauern oft zu viele Jahre – doch genau darin liegt hier das Problem, denn die Realität vor Ort hat sich längst weiterentwickelt.
Während an der Aachener Straße früher Unternehmensnutzung (Unitymedia, später Vodafone) im Fokus stand, ist bereits seit 2023 mit dem Gymnasium Müngersdorf eine große Schule vollständig in Betrieb. Damit hat sich die Verkehrsstruktur grundlegend verändert.
Hinzu kommt die hohe Dichte weiterer Bildungseinrichtungen im direkten Umfeld:
- Gemeinschaftsgrundschule Müngersdorf
- Ernst-Simon-Schule
- LVR-Anna-Freud-Schule
Das bedeutet: Deutlich mehr junge Menschen sind täglich zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs. Aus Sicht der Fraktion wurden die besonderen Schutzmaßnahmen für Schüler unzureichend berücksichtigt.
Verschlechterung für Fuß- und Radverkehr
Besonders kritisch sehen wir die konkrete Ausgestaltung der Planung. So soll auf der Brücke über den Militärring ein Gehweg entfallen. Dadurch wird der gesamte Fuß- und Radverkehr – darunter viele Grundschulkinder – auf einen gemeinsamen, deutlich engeren Bereich gedrängt.
Bereits im politischen Verfahren musste ein Radschutzstreifen wieder ergänzt werden. Die ursprüngliche Planung wird den heutigen Anforderungen an sichere Mobilität nicht gerecht.
Gleichzeitig wurden auf der Stolberger Straße erst kürzlich Radschutzstreifen eingerichtet. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum eine neue Maßnahme nun teilweise hinter bereits erreichte Standards zurückfällt.
Unzureichende Berücksichtigung von Großereignissen
Ein weiterer Punkt ist die fehlende Berücksichtigung temporärer Verkehrsströme. Bei Spielen im RheinEnergieSTADION bewegen sich regelmäßig große Menschenmengen vom S-Bahnhof Köln Müngersdorf Technologiepark über die Vitalisstraße und Wendelinstraße in Richtung Stadion.
Diese Ströme treffen künftig auf eine Verkehrsführung, die bereits im Alltagsbetrieb Engstellen erzeugt. Konflikte zwischen Fußverkehr, Radverkehr und motorisiertem Verkehr sind hier vorprogrammiert.
Sollte Köln zudem Austragungsort Olympischer Spiele werden, würde sich diese Problematik nochmals deutlich verschärfen.
Fazit der Fraktion
Aus unserer Sicht ist die Planung in ihrer jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß. Sie wird den heutigen Anforderungen an sichere, nachhaltige und zukunftsorientierte Mobilität nicht gerecht.
Ja, das Projekt bringt Verbesserungen für den motorisierten Verkehr und ist im Kontext der Entwicklung der „Weststadt“ nachvollziehbar. Doch diese Vorteile gehen zulasten der Sicherheit und Attraktivität für Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende – insbesondere für Kinder und Jugendliche.
Deshalb hat Friedrich Jeschke (Volt) dem Gesamtantrag nicht zugestimmt, Prof. Klaus Reinartz hat “mit Bauchschmerzen”zugestimmt. Wir setzen uns weiterhin für eine Überarbeitung der Planung ein, die den heutigen Realitäten in Müngersdorf gerecht wird.